14.01.2020

ZOE kommentiert deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

Bonn, 6. Dezember 2019. Die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 hat der Bundesregierung ein Reflexionspapier zu Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie vorgelegt. Das Papier enthält unsere Empfehlungen zu absoluten Ressourcen- und Emissionsreduktionszielen, einer Erweiterung der Wohlstandsindikatoren sowie einer Suffizienzstrategie. Dies sind wichtige Maßnahmen für eine stabile und nachhaltige deutsche Wirtschaft jenseits von Wirtschaftswachstum.

Die Deutsche Nachhaltigeitsstrategie (DNS) bildet den Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitspolitik. Derzeit befinden sich allerdings viele ihrer Indikatoren „off-track“, Wirkung entfalten kann die DNS daher kaum. 2020 steht ihre grundlegende Überarbeitung durch die Bundesregierung an.

Mehr als 200 WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen und ExpertInnen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft kommentierten die DNS und gaben Überarbeitungsempfehlungen. Darunter auch das ZOE-Institut. Unseren Kommentar lesen Sie hier.

Wir freuen uns, dass unsere folgenden Überarbeitungsvorschläge im Reflexionspapier der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 (wpn2030) aufgenommen wurden:

  • Absolute Ressourcen- und Emissionsreduktionsziele (S. 23, Fußnote 40).
  • Die Erweiterung der Nachhaltigkeitsindikatoren im Rahmen des SDG Nr. 8 um den Genuine Progresse Indicator (GPI) pro Einwohner (S. 37 Punkt 8.4, Fußnote 91). Der GPI ist eine Schätzung gesellschaftlicher Wohlfahrt unter Einbezug ökonomischer, ökologischer und sozialer Größen. Er stellt eine Ergänzung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) dar. Das BIP stellt durch den ökonomischen Fokus einen unzureichenden Indikator gesellschaftlichen Wohlstands dar und dessen Steigerung steht im Konflikt zu der Erreichung ökologischer Ziele.
  • Die Ergänzung der Nachhaltigkeitsstrategie durch eine Suffizienzstrategie für die Erreichung des SDGs Nr. 12 (S. 37, Punkt 12.1a, Fußnote 106). Suffizienz meint die Reduktion des aktuellen Konsums- und Produktionsniveaus und kann durch entsprechende Suffizienzpolitik erreicht werden die nachhaltige Lebensstile einfacher macht und Anreize für weniger Konsum schafft.

Weshalb sind gerade diese Maßnahmen zentral?

Die aktuelle DNS zielt auf eine simultane Realisierbarkeit von „stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum“ und einer Reduktion von Umweltbelastung in vielen Bereichen ab. Eine absolute Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltverbrauch – in ausreichender Geschwindigkeit zur Erreichung der Klimaziele – ist aus wissenschaftlicher Perspektive allerdings äußerst zweifelhaft, wie der von ZOE mitherausgegebene Report ‚Decoupling Debunked’ zeigt. Für erfolgreiche Klimapolitik brauchen wir absolute Ressourcen- und Emissionsreduktionsziele, Wohlstandsindikatoren, die Wohlbefinden und ökologische Nachhaltigkeit berücksichtigen, und eine Ergänzung von Effizienzmaßnahmen um solche der Suffizienz.

Das macht eine Neuausrichtung der DNS und unsere Empfehlungen zentral.

Wir freuen uns über die Aufnahme unserer Politikvorschläge und sind gespannt, ob sich diese auch in der Überarbeitung der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie niederschlagen werden.

 

 

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